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Großmütter sollten keine Mütter mehr werden
(wz) Mit 64 Jahren hat eine Frau ein Kind zur Welt gebracht. Schwanger wurde sie mit Hilfe einer Eizellenspende. Die Reproduktionsmedizin überschreitet damit eine Grenze: Kinder haben einen Anspruch auf viele gemeinsame Jahre mit ihren Eltern. Großmütter, die zu Müttern werden, sind zu alt, um ihren Kindern das zu bieten.
Nichts hat sich mehr in unseren kulturellen Vorstellungen eingenistet als das Bild von der jungen, im Saft des Lebens stehenden Mutter. Sie ist über Jahrhunderte hinweg der Inbegriff von Natürlichkeit und Schönheit geblieben. Erst die jüngste Zeit lehrte den Begriff der Spätgebärenden: Frauen, die die 30 überschritten haben. Heute noch gelten Schwangerschaften über 40 als äußerst riskant. Und doch geht die Grenzverschiebung weiter: Nicht nur werden Kinder Mütter, sondern gebären auch Frauen dank massiver biologischer Behandlungen, die das Klimakterium längst überschritten haben. Nun darf sich eine 64-Jährige „älteste deutsche Mutter“ nennen. Dies sei kein Wunder, so ein Arzt. Wohl wahr: Wunder rühren. Eine Groß-Mutter befremdet.
Ethisch-moralisch kann man dem Kinderwunsch schwerlich etwas entgegen setzen. Er passt in eine Gesellschaft, die ja gerade den Mangel an Kindern beklagt. Nur weil Kinder so rar sind, werden Wunsch und Wille fast schon sakral. Der Handel mit Eizellen, im Gegensatz zum Samen, ist in Deutschland verboten. Also wurde das später vom ebenfalls 64-jährigen Mann befruchtete Ei im Ausland „besorgt“. more…
From: »Die Welt«
